Die späte Frühmesse 1921

Ein Missgeschick

Erst im Jahre 1924 wurde Pflaumheim eine eigenständige Pfarrei. Vorher wurde unsere Gemeinde Jahrhunderte lang von Großostheim betreut und die Pflaumheimer mussten dort in die Kirche gehen.

An Sonn- und Feiertagen wurde aber meistens auch in Pflaumheim vom Großostheimer Frühmesser ein Gottesdienst abgehalten. Aus diesem Grund war extra zum Übernachten im Dachboden des Schulhauses ein Zimmerchen für den Kaplan eingerichtet, das er aber nicht regelmäßig benutzt hat. Dann musste der geistliche Herr frühmorgens hoch nach Pflaumheim marschieren.

Dazu folgende Anekdote:

Der Frühmesser is schwer am schnaufe er kimmt von Ousdem ruf gelaufe.

Zur Frühmess is es höchste Zeit, in Ploume es scho zomme laidt.

Er kürzt soin Weg durchs Gässje noi un kimmt am Haus der Gred vorbei.

 

Die Gred hot Strousäck uffgeschillt un wolt ihr Dippsche – gut gefüllt,

grod nunner iwwers Flössje kippe do bleibt se hänge mit ihr’m Dippe.

Der Fensterrohme bremst den Schwung, dabei kimmt es zur Bruchlandung.

 

Es fliegt der gonz Botschomber – Dreck jetzt nit mei üwwers Gässje weg.

Die Brie glatscht – so ein Missgeschick, dem Frühmesser grod ins Knick!

„Du liewer Gott“ – ruft do die Gred – „sie kumme heid jo ach sou spät!

 

Ich wolt des Ding ins Flessje schwenke – und bleib am Fensterrohme henke.

Mir falle all moi Doudsinn oi – wie konn mer nor sou dabbisch soi!?

Der Frühmesser im Schweingalopp – rennt ins Haus un wescht soin Kopp.

 

Die Gred hot schnell die Lag erkannt – is schnell in die Sakristei gerannt:

„Der Frühmesser kimmt erst um acht, weil er noch ein Versehgang macht!“

Die Kirchenleut warn sehr geduldig – dem Kranke is mers warte schuldig.

 

Zum Beichtstuhl hots die Gred gezooche – denn der Versehgang war gelooche!

Der Pfarrer gab ihr Absolution: „Notlügen“, sagt er „darf man schon!“

 

Aus dem Buch "Ploimer Mundart- und Dorfgeschichten" von Suitbert Kroth, Bearbeitet von Herbert Rachor

 
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