Bernhau

Das Dorf lag in 464 m Seehöhe am rechten Oderufer etwa 14 km von der Quelle entfernt, in einem engen Tal und entstand im Jahr 1394. Die damaligen Siedler kamen vermutlich aus Oberfranken. Schon 1408 besaß Bernhau eine Pfarre. Die alte Ortstafel trug noch den Namen Bärnhau und soll von Bären abstammen. Wahrscheinlich gab es hier in früheren Zeiten Bären. Die Einwohner betrieben Ackerbau und Viehzucht. Die Gemeinde entwickelte sich auch dank der vorhandenen Bergwerke. Noch in der Kaiser-Zeit wurden Blei und Silber geschürft. Die Ausbeute war später aber gering und das Schürfen wurde eingestellt. Nach der Volkszählung im Jahre 1921 lebten in Bernhau 347 Deutsche, 5 Tschechen, 1939 waren es insgesamt 348 Einwohner. Der Ort Bernhau bestand aus 80 Häusern, weiter gab es zwei Wassermühlen, ab 1786 eine Schule und die im Jahre 1792 erbaute Allerheiligenkirche.

 

Bernhau: Links Pfarrhaus, Pfarrkirche mit Friedhof, Kriegerdenkmal,

rechts am Bildrand das Schulhaus, gegenüber das Gasthaus „Plewan“

 

Der aus Bernhau vertriebene Ernst Ambrosch, hat sich für die Errichtung eines Gedenksteins an der Stelle seines Geburtsortes eingesetzt. Das Dorf wurde nach der Vertreibung geschleift. Heute ist es fast vollkommen verschwunden, an seiner Stelle ist ein militärisches Übungsgelände der tschechischen Armee entstanden und heute militärisches Sperrgebiet. Ambrosch begann in Eigenregie mit all den Arbeiten, die im Vorfeld einer derartigen Aktion erforderlich sind. Unterstützt wurde er von gleich gesinnten Freunden in seiner alten und neuen Heimat. Von tschechischer Seite waren namentlich Pfarrer Byrtus Bautsch sowie Oberstleutnant Milan Valovič aus Stadtliebau beteiligt. Letzterer führte auch die Regie vor Ort.

 

 

Die Umsetzung des Plans begann mit der Einholung der Erlaubnis für die Aktion beim tschechischen Verteidigungsministerium. Das Denkmal selbst musste dort auch in seiner Form genehmigt werden. Nach diesen Vorgaben wurde der Gedenkstein angeschafft und von der Pflaumheimer Firma Zahn eine Inschrift in Tschechischer- und Deutscher-Sprache angebracht. Das ca. 650 Kg schwere Felsstück wurde zu dem 820 km von Pflaumheim entfernten Standort in Nordmähren mit einem VW-Bus transportiert. Am 17. Juni 1994 konnte schließlich das Denkmal unter der sachkundigen Leitung des gebürtigen Pflaumheimers „Schlossers August“ Rollmann an seinem Standplatz am Ortsrand von Bernhau, auf dem Anwesen Klement in unmittelbarer Nachbarschaft des Elternhauses von Ambrosch aufgestellt werden. Die kirchliche Weihe fand am 4. September statt. Einträchtig versammelt waren dabei Vertreter aus den Reihen der Heimatvertriebenen sowie aus Politik, Kirche und Militär in Tschechien. Seither ist der Ort ein festes Ziel bei den Heimatfahrten, die Ernst Ambrosch mit großem Enthusiasmus ab 1982 organisiert hat.

 

Quellen: Gedenkbuch des Pfarrsprengels Bernhau, Ernst Ambrosch

Zusammengestellt und bearbeitet von Herbert Rachor

 


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