Vor über 100 Jahren erhielt ein Pflaumheimer

Steinmetzpolier eine kaiserliche Auszeichnung

 

Der gute handwerklich Ruf der Pflaumheimer Steinmetzen in früherer Zeit kann durch ein Schriftstück aus dem „Kabinett Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin“ belegt werden. In diesem ist die Verleihung der „Kronen-Orden-Medaille“ an den Pflaumheimer Steinmetzpolier Georg Rudolf Peter beurkundet. Er hat sich als Steinmetz beim Bau der Erlöserkapelle in Mirbach, einem Dorf in der Hocheifel, heute zu Hillersheim gehörig – die Anerkennung des Kaiserhauses verdient.

In einem Buch aus dem Nachlass von Georg Rudolf Peter ist die Baugeschichte der Kirche beschrieben und erwähnt, dass die Kapelle „in Erinnerung an die von "Seiner Majestät" dem Kaiser Wilhelm II in Jerusalem erbauten Erlöserkirche…“ errichtet wurde. Der Bau war von Kaiser Wilhelm höchst persönlich genehmigt und von Kaiserin Auguste Viktoria begleitet worden. Das Dorf Mirbach mit Burgruine war früher Sitz derer von Mirbach, die damals in Ernst Freiherr von Mirbach den Oberhofmeister des Kaiserhauses in Berlin stellten. Es war es auch, der die Verleihungsurkunde unterschrieben hat. Es ist vermerkt, dass der Steinmetzpolier Georg Peter aus Pflaumheim bei Aschaffenburg die Auszeichnung erhalten habe, weil er mit viel Sorgfalt und Fleiß zur guten Bauausführung gesorgt hat.

Schon im Mittelalter, so schreibt Josef Schuck in seinem Heimatbuch, waren die Pflaumheimer Sandsteinbrüche in Betrieb und mit dem Zuzug der Gebrüder Schuler aus Tirol um 1700 sei das Steinmetzhandwerk zur neuen Blüte gekommen. Der berühmteste der dreien war Johannes Schuler, der unter anderem den Treppenaufgang zur Aschaffenburger Stiftskirche geplant und aus Pflaumheimer Sandstein ausgeführt hat und es hier zum Landschöff (Bürgermeister) brachte.

Der Lebensweg des 1860 geborenen Georg Peter ist mit einer Reihe heimatlicher Berufskollegen vergleichbar, die in etwa gleiche Wege gegangen sind. Wie er, gingen viele Steinmetze aus Pflaumheim in die Fremde, um dort ihr Geld zu verdienen. Mit 21 Jahren verlies der gelernte Steinmetz und landete in Straßburg, wo das Festungswerk um die Stadt erweitert wurde.

Da habe es viel Steinmetzarbeit und guten Lohn gegeben, so Peter. Im Herbst 1884 walzte er durch die Pfalz nach Ludwigshafen, wo die große „Kaiserbrücke“ für Mainz angefertigt wurde. Diese Arbeit war ihm zu grob und so packte er sein Bündel und ging nach Frankfurt, wo gerade der Hauptbahnhof begonnen wurde.

Hier blieb er bis September 1885. Noch im gleichen Jahr kam er nach Berlin und war wie auch andere Pflaumheimer Steinmetze am Bau des Reichtages beteiligt. Es folgten der evangelische Dom und die Gnadenkapelle. Sein Berufsweg führte ihn dann zum Schloss Schönrade in Schlesien und nach Breslau. Vom Südosten des Reiches zog er danach nach Hamburg, wo er am Bau eines Bankhauses beteiligt war. Nach Arbeiten im Rheinland kam die Krone seiner Berufszeit: Ihm wurden als Polier die gesamten zuständigen Arbeiten an der Erbauung der Kirche in Mirbach (Eifel) übertragen. Zum Lohn und die sehr gute Ausführung der ihm übertragenen Arbeiten erhielt er die preußische Kronen-Orden-Medaille, die er mit Stolz getragen hat. 

Sein letztes Werk war ein Kirchenbau in Homburg vor der Höhe gewesen bevor er 1906, nach 25 Jahren in der Fremde, als 46-jähriger nach Pflaumheim zurückgekommen ist und sich fort an mit der Landwirtschaft beschäftigte. Seine Frau brachte er, wie auch andere seiner Pflaumheimer Kollegen, aus der Fremde mit. Sechs seiner zehn Kinder erblickten in Berlin das Licht der Welt. Am 30 Juni 1942 ist der im Land weit herumgekommene Steinmetz im Alter von 82 Jahren in Pflaumheim verstorben.

 

Text. Lothar Rollman

Bearbeitet von Herbert Rachor

Bilder: Archiv Geschichtsverein

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